
Sicher sind Ihnen die linienförmigen Aussparungen aufgefallen, die in Gebäuden in regelmäßigen Abständen in Decke, Wand oder Boden eingelassen sind. Sie sind kein Zufall: Es sind Dehnfugen (Bewegungsfugen) — für die Gesundheit des Bauwerks unverzichtbare Details. Aus Sicht der Abdichtung gehören sie zugleich zu den empfindlichsten Punkten: Eine nicht fachgerecht gelöste Dehnfuge zählt zu den häufigsten Quellen von Wassereintritten. In diesem Beitrag erklären wir, was Dilatation bedeutet, warum die Fuge angeordnet wird und wie ihre Abdichtung gelingt.
Was ist Dilatation?
Dilatation bezeichnet das Ausdehnen und Zusammenziehen von Baustoffen unter Einflüssen wie Temperaturwechsel, Feuchtigkeit, Erdbeben und Setzungen des Baugrunds. Beton und Bewehrung dehnen sich bei Wärme aus und ziehen sich bei Kälte zusammen. Werden diese Bewegungen behindert, entstehen unkontrollierte Risse im Bauwerk. Die Dehnfuge bündelt diese unvermeidliche Bewegung in einem planmäßigen Spalt und schützt so den Rest des Bauwerks vor Rissen.
Warum werden Dehnfugen angeordnet?
Die Dehnfuge hat drei Kernaufgaben:
- Ausdehnung und Schrumpfen aufnehmen: Sie gibt temperaturbedingten Längenänderungen die nötige Bewegungsfreiheit.
- Erdbebensicherheit: Sie ermöglicht es großen oder aus unterschiedlichen Blöcken bestehenden Bauwerken, sich im Erdbebenfall unabhängig voneinander zu bewegen.
- Setzungsunterschiede trennen: Setzt sich der Baugrund bereichsweise unterschiedlich, konzentriert sie den Schaden in der Fuge.
Kurz gesagt: Die Dehnfuge ist der Sicherheitsspalt, der das Bauwerk „atmen" lässt. Gäbe es diesen Spalt nicht, würde ein sich aufheizendes Dach oder ein schwankendes Gebäude sich selbst Risse zufügen.
Warum ist die Dehnfuge für die Abdichtung so kritisch?
Eine Fuge ist per Definition ein Spalt, der sich ständig bewegt. Eine gewöhnliche Abdichtungsbahn oder eine starre Beschichtung hält diese Bewegung nicht aus; sie reißt in kurzer Zeit, und die Fuge beginnt Wasser zu ziehen. Auf Terrassen, in Parkdecks, Wasserbehältern und an Kelleraußenwänden stammt der weitaus größte Teil der Wassereintritte genau aus den Dehnfugen. Die Fugenabdichtung erfordert deshalb ein bewegungsfähiges Sonderdetail, das sich von der normalen Flächenabdichtung grundlegend unterscheidet.
Das richtige Dehnfugendetail: elastisches Dichtprofil/Fugenband, das die Bewegung aufnimmt, + Schutzprofil. Die Fuge bewegt sich — die Wasserdichtheit bleibt erhalten.
Wie wird eine Dehnfuge abgedichtet?
Ziel der Bewegungsfugenabdichtung ist es, die Wasserdichtheit auch dann zu erhalten, wenn sich die Fuge öffnet und schließt. Die wichtigsten Methoden:
- Fugenbänder (Waterstops): Streifen auf PVC- oder Bentonitbasis, die beim Betonieren in die Fuge eingebettet werden.
- Elastische Fugendichtstoffe und Dichtmassen: Verfüllungen auf Polyurethanbasis mit hoher Dehnfähigkeit.
- Bahnen mit Dehnschlaufe / Fugenprofile: Spezialbänder mit mittiger Schlaufe und Metallprofile, die die Bewegung in sich aufnehmen.
- Injektion: Bei bestehenden, wasserführenden Fugen wird der Wassereintritt im Injektionsverfahren mit elastischem Harz gestoppt.
Die richtige Lösung richtet sich nach Lage, Breite, Bewegungsmaß und Wasserdruck der Fuge. Dieses Detail behandeln wir von A bis Z auf unserer Serviceseite zur Abdichtung von Dehn- und Bewegungsfugen.
Häufig gestellte Fragen
Sind Dehnfuge und gewöhnliche Fuge dasselbe?
Nein. Eine Schwind- bzw. Kontrollfuge (Scheinfuge) steuert die Rissbildung des Betons beim Aushärten; die Dehnfuge dagegen durchtrennt das gesamte Bauwerk, ist dauerhaft und lässt deutlich größere Bewegungen zu. Auch die Abdichtungslösungen unterscheiden sich.
Was tun, wenn eine Dehnfuge Wasser zieht?
Zuerst werden das Bewegungsmaß und die Wasserquelle bestimmt. Aktive Wasserführung wird per Injektion gestoppt, anschließend wird das Detail mit elastischem Dichtprofil/Fugenprofil dauerhaft bewegungsfähig neu aufgebaut. Eine starre Verfüllung bringt das Problem in kurzer Zeit zurück.
Kann man eine Dehnfuge verschließen?
Die Fuge selbst ist statisch notwendig; sie darf nicht aufgehoben werden. Die Aufgabe besteht nicht darin, die Fuge zu schließen, sondern sie wasserdicht zu machen und ihr dabei die Bewegung zu lassen.
Dehnfugenabdichtung in Istanbul und Izmir
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